Schnack auf Zack
  Schmerz
 
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Schmerz

Sein Wecker klingelte. Laut und schrill durchschnitt das rasselnde Geräusch die Stille seines Schlafzimmers. Er stand auf. Müde schleppte er sich den langen Flur herunter in das Badezimmer. Er gähnte. Wie schon die letzten Tage zuvor hatte er das Gefühl völlig unausgeschlafen zu sein.

Er seufzte, nahm seine Zahnbürste aus dem bunten Plastikbecher, drückte etwas Zahnpasta auf die Borsten und begann, sich mechanisch die Zähne zu putzen.

Nachdem er seinen Mund ausgespült hatte, wagte er das erste Mal, in den Spiegel zu schauen. Was er sah, erschreckte ihn. Seine Augen waren blutunterlaufen, sein Teint grau, die dunklen Haare mit den grauen Strähnen wirr. In den letzten zwei Jahren war er sichtbar gealtert, aber jeder, der ihn näher kannte, verstand, warum das so war.

Es war jetzt zwei Monate her, acht volle Wochen auf den Tag genau, dass sie gestorben war. Seit der Beerdigung war er nicht mehr an ihrem Grab gewesen. Er konnte es einfach nicht. Noch nicht, vielleicht später. Er brauchte Zeit. Leise, fast unhörbar holte er tief Luft und sah erneut in den Spiegel.

Er schloss die Augen. Einen Moment später öffnete er sie wieder. Er war immer noch da, dieser Schmerz in seinen Augen. Wieder schloss er seine Lider. Als er seine Augen erneut öffnete, begriff er, und es traf ihn wie einen Stich mitten ins Herz. Sie war von ihm gegangen, aber dieser Schmerz, der für jedermann sichtbar in seinen Augen lag, würde für immer bleiben.

 
   
 
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