Schnack auf Zack
  Nein!
 
"

Das lauwarme Wasser perlte von ihrer Haut ab und spülte das bläuliche Duschgel ab. Zu ihren Füßen bildeten sich kleine Schaumpfützen die nach und nach im Abfluss verschwanden. Sie stellte das Wasser ab und griff nach dem Handtuch, um sich notdürftig abzutrocknen, ehe sie aus der Dusche auf den weichen Teppich ihres Badezimmers stieg. Eingewickelt in ihr Handtuch mit auf dem Waschbecken abgestützten Händen stand sie mit hängendem Kopf vor ihrem leicht beschlagenen Spiegel. Sie fühlte, wie an ein Wassertropfen zwischen ihren Schulterblättern herunter lief und sie dabei kitzelte. Sie hob den Kopf und sah in den Spiegel. Seufzend griff sie zum Schaumfestiger, sprühte sich etwas davon auf die Handinnenfläche und knetete den Schaum dann in ihr kurzes dunkles Haar. Jetzt war es nicht mehr ganz so verwuschelt. Ich sehe müde aus, dachte sie und zuckte zusammen, als sie ihr Handy im Schlafzimmer piepen hörte. Sie hatte eine SMS bekommen.

Auf nackten Füßen tapste sie über den Laminatboden zu ihrem Handy, nahm es vom Nachtschrank und öffnete die Kurzmitteilung. Ich bin in 30 Minuten bei dir. Ich will dich. R. las sie. Sie schloss die Augen und versuchte die Bilder, die augenblicklich durch ihren Kopf schossen, zu verdrängen. Ohne Erfolg. Sie musste sich schließlich an ihren Kleiderschrank lehnen. Unglaublich, was er nach all der Zeit noch immer allein mit einer kurzen SMS bei mir auslösen kann, dachte sie. Zitternd las sie seine Worte noch einmal, dann tippte sie ihre Antwort ein, die nur aus einem Wort bestand: Nein.

Danach legte sie das Handy zurück, tupfte sich die letzten Wassertropfen vom Körper sich vollständig ab, kleidete sich an, und brühte Kaffee auf. Als sie den ersten Schluck Kaffee aus dem dampfenden Becher auf ihrer Zunge schmeckte, klingelte es an ihrer Tür. Sie ließ vor Schreck fast den Becher fallen und verbrühte sich leicht die Hand. Fluchend ließ sie kaltes Wasser über die Haut laufen. Dass hätte sie sich eigentlich denken können, dass er ihre Antwort ignorieren würde. Schließlich war er es gewöhnt, dass sie tat, was er wollte. Es klingelte erneut. Dieses Mal drängender, ungeduldiger. Sie musste grinsen, wenn sie sich vorstellte, wie er jetzt unten vor der Tür stand, erst erstaunt, dann ungläubig und wütend, dass sie ihm nicht öffnete. Sie zählte in Gedanken die Sekunden. Keine halbe Minute später klingelte ihr Handy. Sie sah auf das Display. Wie immer, wenn er anrief, wurde keine Nummer übertragen.
Nein, flüsterte sie leise, nur, um dieses eine Wort der Ablehnung dann noch einmal lauter zu wiederholen: Nein.

Es klingelte lange, sehr lange. Sie merkte, dass sich ihre Hände verkrampften, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte und fühlte die Fingernägel schmerzhaft in die Handinnenflächen schneiden. Das hat etwas von kaltem Entzug, dachte sie und dann hörte ihr Handy endlich auf zu klingeln. Sie stellte sich vor, wie er fluchte und atmete keuchend aus. Langsam bekam sie wieder besser Luft. Erneut griff sie nach dem Kaffeebecher. Sie war stolz auf sich und wusste, dass sie auf dem richtigen Weg war.

 
   
 
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