Schnack auf Zack
  Heimlich, still und leise
 
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Heimlich, still und leise

Lautlos glitt sie seitlich aus dem Bett. Sie hatte gewartet, bis er eingeschlafen war und es war nicht das erste Mal, dass sie ihn verließ, während er schlief. So ging sie den sonst unvermeidlichen Abschiedsszenen aus dem Weg.
Schnell und nahezu geräuschlos schlüpfte sie in die verwaschene Jeans, danach knöpfte sie ihre helle Sommerbluse zu und zog die flachen Ballerinas an die nackten Füße.
Er seufzte im Schlaf und drehte sich zu ihr um. Sie hielt den Atem an und betete, dass er nicht aufwachen möge. Um seine Lippen lag ein angedeutetes Lächeln. Er war wirklich ein attraktiver Mann, warum konnte sie ihn nicht lieben? Sie atmete tief durch. Auf manche Fragen gibt es keine befriedigenden Antworten, dachte sie.

Der Sex war wie immer grandios gewesen. Wenn sie irgendwo harmonierten, dann im Bett. Sie seufzte leise und überlegte, wie viele Millionen Wimpern er wohl hatte. Kein normaler Mann hatte so dichte Wimpern wie er. Wieso fühlte sie sich so mies? Das hier musste aufhören. Wie lange schob sie das Gespräch mit ihm jetzt schon vor sich her? Das bist du ihm schuldig, schrie eine Stimme in ihrem Kopf. Sie drücke beide Hände seitlich an ihre Schläfen, um den plötzlich aufkommenden Kopfschmerzen entgegenzuwirken.

Sie hatte ihm nie etwas vorgemacht. Er wusste, dass sie ihn mochte, aber nicht liebte und irgendwann hatte er akzeptiert, dass sie ihm nicht mehr geben konnte. Das hielt ihn aber nicht davon ab, sie immer wieder zu bitten, zu ihm zu ziehen und mit ihm zusammen zu leben. Ihre gelegentlichen Besuche bei ihm reichten ihm nicht,  er bat sie immer wieder, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Und wenn er sie ansah, lagen in seinem Blick die drei Worte, die sie nicht hören wollte. Im Nebenzimmer knackte der Fernseher und riss sie aus ihren Gedanken.
So konnte, nein, so durfte es nicht weitergehen! Es war gemein, nur dann zu ihm zu kommen, wenn ihr Körper nach sexueller Befriedigung schrie. Derart benutzt zu werden, hatte er nicht verdient. Sie nahm sich fest vor, mit ihm zu sprechen und dem ein Ende zu machen, gleich beim nächsten Treffen …

Heimlich still und leise zog sie die Wohnungstür hinter sich in das Schloss.

 
   
 
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