Schnack auf Zack
  Die Begegnung
 
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Die Begegnung


Mit einem lauten Geräusch stellte ich meine Einkäufe auf dem Büroschreibtisch ab.
„Na Sandra, hast du alles bekommen, was du wolltest?“ meine Kollegin Marina streckte sich und versuchte so, ihren Rücken zu entlasten.
„Ja, und noch mehr… wie immer. Wenn da nur nicht immer diese Hektik wäre! Unsere 45-Minuten-Mittagspause ist einfach zu kurz, um mal eben loszufahren und alle Einkäufe zu erledigen, aber so muss ich wenigstens nach Feierabend nicht mehr los.“ Ich stellte Marina ihren Lieblingsjoghurt auf den Tisch.
„Danke dir“, lächelte sie, „Sandra, du glühst ja! Ist etwas passiert?“
Marina war knapp zehn Jahre älter als ich und hatte wohl auch deswegen manchmal die Angewohnheit, mich zu behandeln, als wäre ich ihre Tochter und nicht ihre Kollegin.
„Nein, nicht direkt und doch… ja, irgendwie schon, aber ich weiß nicht mal was genau mir da eben passiert ist.“
„Nun aber heraus damit. Du machst mich neugierig.“
„Na ja, ich stand eben an der Ampel, da, wo man auf die Bundestrasse abbiegen kann, weißt du?“ Marina nickte mir zu. „Und neben mir hielt ein BMW mit einem jungen Mann drin. Das war total komisch…“
„Was genau?“ unterbrach Marina mich.
„Also, so genau kann ich das gar nicht sagen, jedenfalls war das ein total intensives Gefühl, als sich unsere Blicke trafen. So als würden wir uns gegenseitig direkt in die Seele sehen“, ich stockte, „verstehst du?“
„So ungefähr“, Marina grinste wissend, „und du hast natürlich sofort schuldbewusst an deinen schlafenden Mann zu Hause gedacht, stimmts?“
Ich schnitt eine Grimasse und blieb ihr die Antwort schuldig.
„Und wie ging es weiter?“ Marina ließ nicht locker.
„Es ging gar nicht weiter. Die Ampel sprang irgendwann wieder auf grün um, hinter uns wurde gehupt und wir beide setzten unsere Wege getrennt voneinander fort. Ich bog auf die Bundesstraße ab und er fuhr geradeaus weiter.“
Ich konnte Marina ja schlecht erzählen, dass ich für einen Moment so etwas wie Magie spürte, und dass mich dieses Gefühl völlig überwältigt hatte. Wenn das schon für mich unfassbar war, wie würde es dann erst auf sie wirken?
„Aha“, Marina schien ein bisschen enttäuscht zu sein, so wie ich auch. Sie ging dann zur Mittagspause und hatte das Thema anschließend glücklicherweise vergessen. Jedenfalls sprach sie es nicht wieder an, wofür ich dankbar war.

Wie konnte es nur sein, dass mich ein völlig fremder Mann so durcheinander brachte? Zudem war ich sicher, dass er dieses intensive Gefühl des gegenseitigen Verstehens in diesem kurzen Augenblick ebenso empfunden hatte. Definitiv! Dieser Mann ist mir nie wieder begegnet, aber ich habe noch oft an ihn denken müssen.
 
   
 
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