Schnack auf Zack
  Die Bedeutung von Liebeskuhlen
 
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Die Bedeutung von Liebeskuhlen

 

Sandra balancierte vier schwere Tüten mit einigem Geschick, drückte sich gegen die Eingangstür und entschied sich dann spontan dagegen, ihren Briefkasten zu leeren. Bis in den zweiten Stock schaffte sie es, als die erste Tüte riss und eine Wassermelone polternd zu Boden fiel. Unten klappte die Tür, jemand betrat offensichtlich gerade das Treppenhaus.

„Vorsicht Melone!“ warnte Sandra den Unbekannten.

„Gefangen!“ kam es lachend von unten. Sandra lehnte sich erschöpft an die Wand vor ihrer Eingangstür. Es war ihr direkter Nachbar, der grinsend mit der Melone die Treppen heraufkam.

„War das ein Reaktionstest? Falls ja würde ich sagen, ich habe bestanden.“

Ein jungenhaftes, südländisch wirkendes Gesicht sah sie breit grinsend an.

Er hat Grübchen in den Mundwinkeln, dachte Sandra. Ohne zu fragen nahm er ihr zwei der vier Tüten ab, so dass sie ihre Wohnungstür aufschließen konnte.

„Danke“, murmelte Sandra, „aber bitte nicht umgucken, okay?“

Ihr Nachbar grinste immer noch.

„Soll das etwa heißen, es sind noch nicht alle Kartons ausgepackt? Immerhin wohnen Sie doch jetzt schon seit drei Tagen hier!“ seine Stimme hatte einen gespielt vorwurfsvollen Unterton.

„Noch nicht alle, nein.“ Sandra ging voran durch den Flur, dann links in die Küche und stellte die Tüten ab. Er folgte ihr. Sie nahm ihm erst die eine, dann die andere Tüte ab.

„Sieht doch schon ganz wohnlich aus“, bemerkte er anerkennend.

Sandra verdrehte die Augen.

„Luca Pamploni“, stellte er sich vor. Das erklärte sein südländisches Aussehen. Sandra versuchte, ihm nicht auf die Grübchen zu starren.

„Meine Oma nennt das Liebeskuhlen“, antwortete sie geistesabwesend.

„Wie bitte?“ sein verwirrter Gesichtsausdruck brachte sie zum Lachen.

„Entschuldigung, ich meine die Grübchen in ihren Mundwinkeln. Sie entstehen, wenn Sie grinsen. Sehr niedlich. Meine Oma hat mir mal erklärt, diese Art Grübchen würden Liebeskuhlen heißen. Das sagt irgendetwas über den Menschen, der sie hat aus, aber ich weiß nicht mehr, was…“

„Liebeskuhlen, so so, sehr originell.“ Da war es wieder, sein breites Grinsen.

„Erfahre ich denn jetzt auch Ihren Namen?“ Das erinnerte Sandra daran, dass sie sich immer noch kein Namensschild besorgt hatte.

„Sandra Freese. Entschuldigung, ich bin unhöflich.“ Sie reichte ihm die Hand, die er sofort ergriff. Sein Händedruck war warm und fest. Sie sahen sich in die Augen und Sandra war froh als er ihre Hand wieder losließ. Ihr war trotz des leichten Sommerkleids warm geworden. Luca wandte sich ab, ging aus der Küche und durch den Flur auf die Haustür zu. Sie folgte ihm. Vor der Tür stoppte er ab und hielt einen Moment inne. Er schloss die Haustür von innen und drehte sich abrupt um.

„Da wäre nur noch eine Kleinigkeit.“ Mit fünf großen Schritten war er bei ihr, hob sie ein Stück hoch, so dass ihre Gesichter in gleicher Höhe zueinander waren und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Sandra war völlig überrumpelt. Als sie wieder zu Atem kam flüsterte sie: „Und das ist die Kleinigkeit?“

„Ich habe mich unglücklich ausgedrückt“, er lachte leise und küsste sie wieder. Ihr war schwindelig.

„Immerhin bin ich zur Hälfte Italiener. Wenn ich mich jetzt nicht getraut hätte, wann dann?“

„Mit welcher Hälfte denn?“ neckte sie ihn und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsseite. „Jetzt weiß ich auch wieder, was diese Liebeskuhlen bedeuten sollen: Man sagt, nur besonders leidenschaftliche Liebhaber hätten sie.“

Luca lachte schallend.

„Es steht Dir frei, auszuprobieren, ob das der Wahrheit entspricht.“

 

 
   
 
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